Niederösterreichische Landesakademie


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Integrationsgespräche Neunkirchen - Ternitz 2011
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Integrationsservice


Integrationsgespräche Neunkirchen - Ternitz 2011

zusammenreden1 2011

Februar bis Juni 2011
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Geschlechterverhältnisse und Integration – Moderne Sklaverei passiert mitten unter uns!
Rege Publikumsbeteiligung und prominentes Podium bei der Auftaktveranstaltung von „ZusammenReden“ in Neunkirchen

Rund 70 Besucher verfolgten am 23. Februar gespannt den ersten von vier Themenabenden der Neunkirchner Integrationsgespräche, die von der Caritas Wien (Asyl & Integration NÖ) gemeinsam mit der Gemeinde Neunkirchen organisiert und vom Land NÖ, dem BMI für Inneres und dem Europäischen Integrationsfonds gefördert werden.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Projekt Neuland der Caritas Wien statt, das MigrantInnen, ÖsterreicherInnen und AsylwerberInnen in Tandems zusammenbringt und so versucht, getrennte Lebenswelten zu durchbrechen.

Im Sparkassensaal der Musikschule Neunkirchen diskutierten im Anschluss an die Österreich-Premiere des Films „Fatale Versprechungen“ (von K. und A. Rohrer) Gerald Tatzgern vom BKA (Leiter der Zentralstelle für Schlepperkriminalität und Menschenhandel), Barbara Prettner, Geschäftsführerin des Autonomen Frauenhauses Neunkirchen gemeinsam mit der Journalistin und Produzentin des vorab gezeigten Films, Anneliese Rohrer, zum Thema Geschlechterverhältnisse im Menschenhandel und die Situation in Österreich. Moderiert wurde der Abend von Caritas Projekt-Leiterin und Autorin mehrerer Bücher zum Thema Menschenhandel Mary Kreutzer.

Nach der Premiere des gleichermaßen beeindruckenden wie erschütternden Films, in dem Frauen und Männer von ihre Versklavung in der Prostitution, der Apfelernte, oder des Krabbenfangs erzählten, berichtete Anneliese Rohrer von den Schwierigkeiten, mit Opfern in Kontakt zu kommen. „Aber es wichtig, diese Interviews zu machen und aufzuzeigen, was direkt hier, auch in Österreich, passiert“, bringt sie es auf den Punkt. Barbara Prettner berichtet davon, wie traumatisiert ihre Klientinnen im Frauenhaus Neunkirchen oft sind. „Zuerst muss man Vertrauen zu den Opfern aufbauen, dann kann der Heilungsprozess beginnen und dadurch der Selbstwert wieder zurück gewonnen werden.“ Sie betonte, dass es besonders für Migrantinnen oft schwierig ist, sich an öffentliche Einrichtungen zu wenden. „Zum einen sind sie durch die Sprache gehandicapt, zum anderen wirtschaftlich komplett abhängig.“ Besonders spannend und kontrovers wurde die Diskussion, als die Situation des Opferschutzes in Österreich zur Sprache kam. Gerald Tatzgern stellte klar: „Ein großes Problem ist das Nachweisen des Faktors „Ausbeutung“, ohne den kein Gerichtsverfahren zustande kommen kann. „Kein Ermittlungsverfahren, kein Sachverhalt, kein Opferschutz.“ Moderatorin Mary Kreutzer wies in diesem Zusammenhang auf die Rolle der Staatsanwaltschaft hin: diese lege oft Verfahren nieder, obwohl die Opfer aussagen und untergraben somit den Opferschutz. Die Justiz spiele im Menschenhandel in Österreich keine besonders positive Rolle, so Kreutzer.

Neben bestürzten Statements zum Film aus dem Publikum, wurden besonders Themen, die in der eigenen Gemeinde von Bedeutung sind, heiß diskutiert. So brachte Vizebürgermeister Martin Fasan die Sprache auf das Problem von Zwangsverheiratungen junger Mädchen, vor allem aus der Türkei. Gerald Tatzgern pflichtete bei, es sei ein großes Problem, man könne nur in Dunkelziffern sprechen. Barbara Prettner wies in diesem Zusammenhang auf die besonderen Schwierigkeiten von Betroffenen hin, wenn es darum geht, aus einer solchen Situation auszubrechen „Sich gegen die eigene Familie zu wenden, das ist für die Mädchen so, als würden sie sich gegen ein eigenes Leben entscheiden.“ Betreuungsplätze in Frauenhäusern sind oft der einzige Ausweg – aber davon gäbe es in Niederösterreich leider viel zu wenige. So mussten 150 Frauen im letzten Jahr abgewiesen werden, weil die fünf Frauenhäuser überfüllt waren.

Das nächste „ZusammenReden in Neunkirchen“ findet am 6. April im kleinen Arbeiterkammersaal statt. Die bosnisch-österreichische Politikwissenschaftlerin Dunja Larise wird dann gemeinsam mit Ernst Hofhansl (Evangelische Kirche Neunkirchen) und dem Islamlehrer der VS Steinfeld, Irfan Buzar, zur Frage „Ist Religion überhaupt eine Frage der Integration?“ diskutieren. Moderiert wird dieser spannende Abend von Karima Aziz (Mitarbeiterin von Missing Link, Caritas Wien). Beginn ist um 18.30 Uhr.

Alle weiteren Termine der Neunkirchner Integrationsgespräche finden Sie unter: www.zusammenreden.net/neunkirchen.

 

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